Der völkerrechtswidrige Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine hat die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten drastisch verschärft. In der Folge kam es immer wieder zu Reduzierungen der Gasimportmengen von russischen Lieferanten nach Deutschland. Die Bundesregierung rechnet nicht mit einer Verbesserung der Situation. Sie geht vielmehr davon aus, dass weitere Reduzierungen der Liefermengen drohen.

Es ist unklar, ob in Zukunft die Importmengen auf das Niveau der Vorjahre erhöht werden oder ob Einsparpotentiale im Verbrauch und Erhöhungen der Importkapazitäten ausreichen. Dies gilt umso mehr, als Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und Erdgas als politisches Druckmittel einsetzt. Aus dem willkürlichen Verhalten der Russischen Föderation ergibt sich ein hohes Risiko, dass die Lieferungen im Gegenteil noch weiter gedrosselt werden.

Die aktuelle Lage der Gasversorgung hat damit bereits das Stadium überschritten, in dem lediglich die Voraussetzungen für Vorsorgemaßnahmen gegeben sind. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat bereits am 30. März 2022 die Frühwarnstufe und am 23. Juni 2022 die Alarmstufe nach Artikel 8 Absatz 2 Buchstabe b und Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2017/1938 in Verbindung mit dem Notfallplan Gas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom September 2019 ausgerufen.

Dennoch sind zusätzlich kurzfristig umzusetzende und befristete Energieeinsparmaßnahmen zur Stärkung der Vorsorge von großer Bedeutung, um den Eintritt einer Notfallsituation in diesem und im nächsten Winter zu vermeiden. Bei der Energieeinsparung handelt es sich um eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern. Jede eingesparte Kilowattstunde hilft ein Stück weit aus der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen heraus.

Ausführliche Informationen im folgenden PDF: Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung

Die Tourismusbranche sieht den nächsten Monaten mit Sorge entgegen. Explodierende Energiekosten treffen auf eine zurückhaltende Nachfrage – nach der Corona-Krise trifft nun die Energiekrise auch die Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit- und Kultureinrichtungen.

Der Energiegipfel beim Ministerpräsidenten in der letzten Woche, an dem der TVSH teilgenommen hat, zeigte deutlich, wie umfassend und tiefgreifend die Auswirkungen der Energiekrise in Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sein werden.

Die Landesregierung hat deutlich gemacht, dass neben der vordringlichen Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger, aller Unternehmen, Verbände, Institutionen und Kommunen, Energie einzusparen, wo immer es geht, das Ziel ist, so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas zu werden.

Darüber hinaus wurde ein millionenschweres Entlastungspaket, bestehend aus acht Punk- ten, angekündigt, um Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Unternehmen, Verbände und Institutionen dort zu unterstützen, wo die Entlastungspakete des Bundes Lücken aufweisen. Dies soll im Nachgang zum ersten Auftaktgespräch mit den Teilnehmenden weiterentwickelt und den Erfordernissen angepasst werden.

Tourismusorganisationen, -kommunen und -betriebe haben nicht erst heute angefangen, Energiesparpotentiale zu identifizieren und zu heben, allerdings wurden die Anstrengungen in den letzten Wochen deutlich erhöht. Die Absenkung von Temperaturen in Schwimmbädern, Einschränkungen von Beleuchtungszeiträumen öffentlicher Gebäude, von Seebrücken und Promenaden und die Frage zur Durchführung von Winterevents wie Weihnachtsmärkten, Lichtinszenierungen oder Eislaufvergnügen sind Themen, an denen die Tourismusakteure mit Hochdruck arbeiten.

Der Tourismusverband Schleswig Holstein (TVSH) wird auch in dieser Krise eng an der Seite seiner Mitglieder sein und Informationen sammeln, aufbereiten und verteilen, Fragen der Mitglieder bündeln und bei den geeigneten Stellen bei Bund und Land platzieren. Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass die Tourismusbranche kreativ, dynamisch und engagiert Herausforderungen annimmt. Gemeinsam werden wir so auch die Energiekrise meistern!

Downloads:

PDF: TVSH-Rundschreiben 1 zur Energiekrise